Tagtäglich scheitern wichtige IT-Projekte an einer einfachen Sache: den Usern. Wieso Usability der Grundstein aller IT-Lösungen sein muss und was ein User Experience Designer eigentlich macht, verrät unsere hauseigene UX-Designerin Alexandra Kandler in diesem Interview.

Hallo Alex. Vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst. Verrat uns doch mal: Wieso bist du eigentlich UX-Designerin geworden?

Ich habe zuerst ein duales Studium im Bereich Medienmanagement und Kommunikation absolviert, aber weder Marketing noch Betriebswirtschaft fand ich so richtig spannend. Für meine praktische Abschlussarbeit sollte ich dann Maßnahmen entwickeln, um die Verkaufszahlen eines digitalen Lernprodukts zu steigern. Nach einer Weile stellte ich fest: nicht die Verkaufszahlen waren das Problem, sondern das Produkt selbst. Es war für den amerikanischen Markt entwickelt und funktionierte in Deutschland einfach nicht. Da erkannte ich: Marketing allein reicht nicht aus. Ich wollte etwas machen, was mehr am Kern der Sache ansetzt.

Deswegen bin ich dann für meinen Master nach Schweden gegangen und studierte dort „Human-Computer Interaction“. Da das gesamte Forschungsfeld noch relativ jung ist, kamen meine Professoren aus allen möglichen Feldern, zum Beispiel Informatik und Psychologie. Wir sind viel praxisorientierter an Probleme und Lernstoffe herangegangen, als man das aus Deutschland kennt. Es ging weniger um theoretisches Wissen, sondern vielmehr darum, die eigene Denk- und Sichtweise zu ändern. Themen wie Accessibility und Inclusive Design standen beispielsweise auf der Tagesordnung.

Und wie bist du zu MATESO gekommen?

Im Anschluss an mein Studium war ich als UX-Designerin in Belgien tätig. Das war sehr spannend, aber die Entscheidungs- und Dienstwege können in Großkonzernen manchmal langwierig sein. Daher kam der Entschluss, zu einem kleineren Unternehmen zu wechseln, wo meine Arbeit einen direkteren Impact hat. Zudem wollte ich wieder näher Richtung Heimat und habe die Stellenausschreibung von MATESO gesehen. Mein Bruder, der auch im Bereich IT-Sicherheit arbeitet, kannte MATESO von Ausstellungen und meinte, dass es immer der freundlichste Messestand von allen wäre. Das klang nach einem guten Arbeitsumfeld. Da ich auch privat Interesse an Privatsphäre- und Sicherheitsthemen habe, war der Bezug sofort da.

Du arbeitest jetzt jeden Tag daran, die User Experience unserer Nutzer zu verbessern. Wieso ist Usability eigentlich so wichtig – besonders im IT-Sicherheits-Bereich?

Immer wieder hört man von Entwicklern: „Das ist ein Layer-8-Problem“, was so viel heißt wie „Der Nutzer kann nicht richtig mit dem System umgehen“. Aber es ist einfach nur menschlich, dass wir Fehler machen, und jedes System sollte dementsprechend ausgerichtet sein. Es muss den Usern eben helfen, weniger Fehler zu machen, muss sie warnen, wenn sie etwas Falsches tun. Denn wir alle haben schon mal aus Versehen den falschen Knopf gedrückt.

Beim Thema IT-Sicherheit und besonders beim Passwortschutz kann das schnell fatale Folgen haben. Unternehmen wissen, dass sie sich vor Angriffen schützen und die Risiken minimieren müssen. Passwörter spielen dabei eine große Rolle und ein Passwort-Manager kann nicht nur den sicheren Umgang mit Passwörtern gewährleisten, sondern unternehmensweit Awareness für das Thema schaffen. Aber wenn die Bedienung des Systems zu kompliziert ist, nutzen die Mitarbeiter es dann doch nicht und suchen sich Umwege. Im schlimmsten Fall kleben sie weiterhin ihren Post-it mit dem Passwort unter die Tastatur.

Welche Features bietet Password Safe, dank denen auch IT-ferne Nutzer gern mit Password Safe arbeiten?

Also in erster Linie bieten wir dafür unseren LightClient, also eine vereinfachte Oberfläche, mit der „normale“ Mitarbeiter auch ohne Schulung loslegen können. Er hat nur die Funktionen, die man zum Speichern und Einloggen mit Passwörtern braucht, und verzichtet auf alle Zusatz-Features, die vielleicht nur verwirren würden. Für Admins oder Power User mit tieferen Kenntnissen gibt es andere Clients mit größerem Funktionsumfang. Außerdem kann man Ansichten und Module auch entsprechend der jeweiligen Unternehmensbedürfnisse individualisieren, seien es bestimmte Sicherheitsvorkehrungen, gesetzliche Vorgaben oder besondere Präferenzen. So haben alle Nutzer genau diejenige Ansicht, die sie für ihre Arbeit brauchen.

Auch unsere Browser-Erweiterung erleichtert den täglichen Arbeitsablauf für alle, die sich regelmäßig an verschiedenen Websites und Tools anmelden müssen. Man muss nicht immer erst den Passwort-Manager öffnen und die Credentials dort rausziehen. Stattdessen füllt Password Safe die Anmeldedaten für die jeweilige Seite automatisch aus. Das geht sogar schneller und unkomplizierter als der normale Login auf einer Website, entlastet die Mitarbeiter und steigert nebenher auch die Nutzerakzeptanz!

Wir möchten Password Safe für unsere Kunden immer weiter verbessern. Kannst du verraten, woran wir gerade arbeiten?

Im Moment entwickeln wir einen Papierkorb. Denn, wie schon gesagt, Menschen machen Fehler und klicken manchmal auf das falsche Feld. Und schon ist das Passwort gelöscht, obwohl man das gar nicht wollte. Mit dem neuen Papierkorb wird man solche Daten in Zukunft ganz einfach wiederherstellen können.

Der Vorschlag zum Papierkorb kam übrigens aus unserer UserVoice, wo Kunden ihre eigenen Wünsche äußern und andere upvoten können, wenn sie ein solches Feature auch gern in Zukunft hätten. Das Feedback unserer Kunden ist uns sehr wichtig und wir möchten immer besser darauf eingehen können. Denn wir wollen die Probleme lösen, die sie tatsächlich haben – nicht die, von denen wir annehmen, dass sie sie haben.

Wie geht es im Bereich User Experience für MATESO weiter?

Wir wollen in Zukunft mit echten Usern testen, und zwar so früh wie möglich im Design-Prozess – sei es mit klickbaren Prototypen, Wireframes oder Mock-ups. Mit frühzeitigem Feedback kann man Probleme viel eher identifizieren und stellt nicht erst kurz vor dem Release fest, dass etwas nicht klappt oder gar nicht den eigentlichen Zweck erfüllt. Deswegen suchen wir übrigens noch Unterstützung im Bereich UX Research, um gezielt mit unseren Kunden und Usern zu reden, Interviews und Usability-Tests durchzuführen – quasi die Stimme der Nutzer einzufangen und wiederzugeben. Und tagtäglich mit einem tollen Team zusammenzuarbeiten. Mehr Infos zur Stelle gibt es hier: UX Researcher.

Vielen Dank für dieses spannende Interview, Alex!